AmelitMagelit

Donnerstag, 11. September 2008

Erfunden

Gespeichert unter: Philosophie, Sinn — Schlagworte: , , , — amelitmagelit @ 0:41

Sky-Walker schreibt:

…aber wer hat denn diese ganze Chemie, Physik und was weiß ich noch alles erfunden? Also ein Mensch war es sicherlich nicht, und ein Tier wohl auch nicht. Bleiben also nur noch entweder weiterentwickelte Wesen oder eben der Zufall übrig. Demzufolge müsste dann unser gesamtes Leben aus Zufällen bestehen. Wir wären zufällig entstanden, weil es eben gerade einfach so mal passiert ist….

Wieso muss denn all das „erfunden“ sein? Muss denn dann nicht, mit der gleichen Logik, der „Erfinder“ selbst „erfunden“ sein? Die Idee, dass es einen Erfinder geben muss, ist sehr anziehend, aber sie löst das eigentliche Problem nicht, die Frage nach dem woher wird nur verschoben, ohne irgendeinen Verständnisgewinn.

Und was ist überhaupt „Zufall“? Ich sträube mich dagegen, dass es immer nur die Wahl zwischen „Erfunden“ und „Zufällig“ geben kann. Die einfachste und ehrlichste Antwort auf die eigentliche Frage nach dem woher muss immer lauten

„Ich weiß es nicht“

Dass die Frage nach Gott für mich nicht wohlgestellt ist, zeigt folgendes Gedankenexperiment: Nehmen wir einmal an, ein Wesen kommt zu mir und behauptet, es sei Gott. Wie kann dieses Wesen mich davon überzeugen??

Ich könnte das Wesen bitten, mich nach Alpha Centauri zu beamen. Oder die Sonne einzufrieren. Oder mich so groß wie das Sonnensystem machen lassen.

Solche Zaubertricks zählen allerdings nicht, denn die könnten ja auf physikalischen Gesetzen beruhen, die mir nicht bekannt sind, aber dem außerirdischen Wesen. Oder die mir bekannten physikalischen Gesetze gibt es nicht und die Zaubertricks funktionieren durch Magie. Oder mein Gehirn ist falsch verdrahtet und ich halluziniere.

Wenn also alle Zaubertricks, die ich verlange, von dem Wesen vorgeführt werden können, könnte es sich um eine Halluzination handeln, oder um hochentwickelte Wesen, die viel mehr Technik haben als wir, oder es könnte sich um Gott handeln. Wenn allerdings ein einziger Zaubertrick fehlschlägt, so kann ich, unter der Annahme, dass es keine Halluzination ist, ausschließen, dass es sich um Gott handelt (oder ausschließen, dass das Wesen gewillt ist, mich davon zu überzeugen). In diesem Fall muss ich also ein weltliches Wesen und eben nicht Gott vor mir haben.

Es gibt aber kein vorstellbares Experiment, dass mir zeigen könnte, dass es sich nicht nur um ein hochentwickeltes Wesen, sondern um Gott handelt. Wenn also das Wort ‘Gott’ als ‘das höchste Wesen’ definiert ist, so beschreibt diese Definition eine Eigenschaft, die man überhaupt nicht feststellen kann.

Es ist als definierte ich, dass vor meiner Tür ein unsichtbares Einhorn steht, dass von keiner Technik gemessen werden kann. Ein solches Einhorn existiert de facto nicht, da es in keiner Weise mit der wirklichen Welt interagiert.

Sonntag, 13. Juli 2008

Was mache ich hier?

Gespeichert unter: Philosophie, Sinn — Schlagworte: , , — amelitmagelit @ 21:42

Das ist die natürliche Frage, wenn man unbewusst in eine merkwürdige Situation gerutscht oder an einen unangenehmen Ort gelangt ist, und sich dessen bewusst wird. Das ist aber auch die natürliche Frage, die man sich irgendwann in seinem Leben stellt, denn ins Leben ist man ja auch unbewusst reingeraten.

Jetzt bin ich schonmal am Leben, also kann ich auch genausogut mitspielen.

Aber was soll ich tun? Alles ist nichts. Nichts tun ist langweilig. Was soll ich tun?

Ich hoffe nicht auf eine externe Anweisung – welche Bedeutung hätte sie denn auch und was ist schon extern. Die Ziele erwarte ich von Innen. Also lausche ich nach Innen, schaue möglichst genau, ob sich etwas regt, ob sich etwas ein wenig mehr in eine bestimmte Richtung neigt. Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn erwarte ich nicht, dort zu finden, denn wenn das auch niemand sonst beantworten kann, dann bedeutet das, dass ich die Bürde des Nichtwissens nicht alleine tragen muss. Vielmehr erwarte ich ein kleines Lüftchen, dass mir hier und da vielleicht einmal einen angenehmen Geruch in die Nase trägt und mir so eine Richtung weist.

So sitze ich und warte noch immer.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Das Spiel

Gespeichert unter: Leben, Philosophie, Philosophisch, Sinn — Schlagworte: , , , , — amelitmagelit @ 19:08

Unsere Gedanken sind Lichter, die wie Sterne im dunklen Meer des Raums aufblitzen. Das Meer strebt auf die graue Uniformität zu, bis der Strom der Energie sich verbraucht hat und erstarrt. Warum überhaupt der Aufwand, wenn es am Ende doch wieder ganz so ist, als wäre Nichts gewesen?

Gott langweilt sich im öden Nichts, deswegen baut es Universen, in denen es gleichzeitig und doch nacheinander alle Leben durchlebt. Das beschäftigt eine Weile, und doch nur einen Moment, ist ziemlich spannend, aber letztlich genauso öde wie das Nichts. Sind wir Gottes ständige Reality Soap? Sind wir eine leicht aufgemotzte Version von gzsz? Spielt das eine Rolle?

Das Leben ist ein Spiel:

  • Man nimmt an dem Spiel teil.
  • Spielregeln sind nicht bekannt.
  • Ein Spielziel ist nicht bekannt.

Weil man ‘da’ ist und lebt, ist wenigstens sicher, dass es ein Spiel gibt und man an ihm teilnimmt. Die Vermutung wäre, dass die Spielregeln durch die wahren Gesetze der Physik gegeben sind. Da alle Modelle der wahren Physik aber falsch sein können, kann man sich nie wirklich über die Spielregeln sicher sein. Dass es überhaupt Spielregeln gibt, wird durch die Beobachtung nahegelegt, dass ich offenbar nicht allmächtig bin. Dass es ein Spielziel gibt, ist mir dagegen absolut unklar. Die Frage wäre ja auch, was man davon hat, wenn man das Spielziel erreicht.

Je ‘niederer’ ein Lebewesen, desto weniger muss und kann es sich über das Spiel und dessen Ziel Gedanken machen. Oh welch freudig-naives Leben man so doch führen könnte! Aber ist es denn ein ‘eigenes’ Leben, wenn doch der Verlauf des Lebens hauptsächlich von den Spielregeln bestimmt wird? Ist ein Mensch nicht viel unabhängiger von den Regeln, ja kann sie sogar nutzen, um mehr Freiheit zu erlangen? Entsteht die Freiheit nicht sogar dadurch, dass wir genügend viele und die richtigen Körperteile und das Wissen haben, um nicht so stark von den Spielregeln kontrolliert zu werden?

Wenn ich eine Biene bin, dann habe ich nicht die Freiheit, irgendetwas anderes zu tun, als das, was Bienen tun. Kein stark spezialisiertes Tier hat diese Freiheit (obwohl die Biene vielleicht durchaus etwas anderes tun möchte, das wäre dann eine traurige Biene). Ist der Mensch als Individuum das freiste Lebewesen, weil es die geringste Beeinträchtigung durch die Regeln erfährt? Oder sind Bakterien in der Masse die freisten Lebewesen, weil sie die geringste Spezialisierung aufweisen und sich über wenige Generationen schnell anpassen können?

Das Spielziel

Da das Ziel und damit der Sinn nicht bekannt sind, muss ich darauf verzichten. Denn anders als die Spielregeln kann ich Modelle des Spielziels nicht durch Experimente widerlegen oder untermauern. Niemand sagt mir, ob ich gerade am Ziel bin oder wie weit ich davon entfernt bin. Zeitlich ist das Ziel wohl der Tod, aber mit ‘Spielziel’ ist ja eher ein moralisches Ziel gemeint. So etwas kann ich aber nicht prüfen, schließlich könnte ja gerade das genaue Gegenteil des vermuteten Ziels das wahre Ziel sein. Also gilt für mich: Ich spiele ohne Ziel. Demnach kann ich innerhalb des Lebens so handeln, wie ich möchte, und mir meine eigenen Ziele setzen. Das bedarf Mut zur Willkür, da ich mir des Fehlens einer äußeren Sinngebung bewusst bin.

Montag, 30. Juni 2008

Dein Glanz

Gespeichert unter: Gedichte, Liebe — Schlagworte: , , — amelitmagelit @ 17:41

Dein Glanz
ist was ich sehe

Wenn ich sehe
was ich fühle

Das Gefühl
ist stark und schön

Mit Stärke und Schönheit
strahlt unser Bündnis

Wir sind verbunden
um vertraut zu sein

Mit Vertrauen
öffnen wir uns einander
und lassen uns fallen

Sanft aufgefangen
fühlen wir uns geborgen

In Geborgenheit
betrachten wir unseren Glanz

Dein Glanz
ist was ich fühle

Wenn ich fühle
was ich sehe

Sonntag, 22. Juni 2008

Was ist Liebe?

Gespeichert unter: Liebe, Philosophisch — amelitmagelit @ 15:49

‘Liebe’ ist ein Wort. Diese Antwort ist so wahr wie unbefriedigend, denn die Frage war ja eigentlich so gemeint: „Was meinen wir mit dem Wort ‘Liebe’?“

„Gott, Jahwe, Allah, Nirvana, Liebe, das ist alles das Selbe.“

Tatsächlich habe ich einmal einen pensionierten Philosophen und Friedensaktivisten getroffen, der dies behauptet hat. Wenn diese Wörter also bedeutungsgleich sein sollen, warum braucht man dann überhaupt verschiedene Wörter dafür? Ist denn dann eigentlich Liebe genau wie Gott etwas Metaphysisches, das man nicht stofflich definieren kann und an das man glauben kann oder eben auch nicht? Aber Moment, so war das oben ja wieder nicht gemeint, man meinte ja eigentlich, dass Gott unermesslich viel liebt oder dass Liebe eine wichtige seiner Ausdrucksformen ist, dass Gott so wie die Liebe in jedem von uns steckt. Das mag ja durchaus sein, aber es erklärt nicht, was Liebe ist.

Nur Hormone?

Um solche Fragen zu beantworten haben wir ja zum Glück Naturwissenschaftler wie etwa Hirnforscher, die ein vernichtend unromantisches Bild der Liebe zeigen: Liebe, das ist wenn bestimmte Hormone im Körper eine gewisse Konzentration und ein bestimmtes Verhältnis zueinander aufweisen, und wenn die Neuronen im Gehirn in bestimmter Weise angeregt sind. Natürlich sind die ganzen biochemischen Zusammenhänge dabei bisher nur sehr grob bekannt, aber die Unromantik entsteht ja allein durch die Ansicht, Liebe sei ein biochemischer Zustand des Körpers. Auch wenn man schonmal sagt ‘Die Chemie stimmt zwischen uns’, dann fände es der Partner vielleicht abstoßend, wenn dieser Satz wirklich wörtlich gemeint wäre. Der Mensch wird als -sehr komplizierte- Maschine angesehen, die auf die richtigen -sehr wohl auch nichtsexuellen- Umwelteinflüsse mit dem Unterprogramm ‘Liebe’ reagiert. Die romantische Vorstellung, Liebe sei etwas überweltlich besonderes, wird dadurch zurückgedrängt.

Nur ein Gefühl?

Einig werden kann man sich bei der Begriffsdefinition doch hoffentlich darüber, dass sich Liebe als Gefühl sehr starker Zuneigung und Aufregung äußert. Dieses sehr intensive Gefühl ist zwar nicht immer da, schaut aber öfters mal vorbei und entfaltet dann die süße Vorstellung der Seelenverbundenheit. Abgesehen von den Gefühlen, auf die Liebe zumeist reduziert wird, ist Liebe für mich vor allem Hingabe und Aufnahme. Ich liebe dadurch, dass ich mich hingebe und das Hingeben des Partners aufnehme.

‘Ich liebe dich’ sollte weder mit ‘[Ich glaube,] Wir sind [gottgegeben] füreinander bestimmt’ noch mit ‘In mir läuft jetzt das Unterprogramm Liebe’ übersetzt werden. Natürlich kommt es vor, dass man keine Worte weiß, die für die Intensität der Zuneigung angebracht wären, und dann sagt man schonmal einen metaphysischen Satz. In gewisser Weise kann das Gefühl ja zeitweise so stark zu spüren sein, dass es in der Stärke über allen sonstigen Gefühlen steht, und in diesem Sinne ‘meta’ ist. Man sollte sich aber dessen bewusst sein, wie man diesen Satz eigentlich meint, und man sollte es vor allem dem Partner bewusst machen.

Vom pragmatischen Standpunkt aus gesehen und mangels einer genauen Begriffsdefinition, sollte man ‘Ich liebe dich’ mit ‘Ich will [dauerhaft] mit dir zusammen sein’ übersetzen. Um einen draufzusetzen erweitere ich es zu: ‘Du bist diejenige Person, mit der ich [dauerhaft] am liebsten zusammen sein will.’

Dienstag, 27. November 2007

Deduktive Sicht der Welt

Gespeichert unter: Philosophie, Philosophisch — Schlagworte: , , , , — amelitmagelit @ 2:06

Wenn man nach dem Sinn des Lebens fragt, dann geht man häufig induktiv
vor. Eine deduktive Herangehensweise wäre aber naheliegender.

Induktive Sicht

Bei der induktiven Herangehensweise versucht man, spezielle Dinge, die man beobachtet hat, zu verstehen und ihnen einen Sinn zuzuweisen. Von diesem scheinbaren Sinn der einzelnen Dinge will man dann auf den Sinn von Allem schließen.

Nun finde ich, dass man bei solch einer Sinnzuweisung oftmals eher eine Zweckzuweisung betreibt, indem man nämlich beschreibt, wie sich das Objekt zu seiner Umwelt verhält und wie es sich in das Wirkungsgefüge des gesamten Systems einfügt. Beispielsweise ist Obst sowohl Nahrungsmittel für Tiere als auch Träger von Samen der Pflanze, Obst dient damit sowohl dem Tier als auch der Pflanze. Man kann diese beiden Dinge im Kontext des Ökosystems daher getrost als den hauptsächlichen Zweck des Obstes ansehen. Die Sinnfrage jedoch wird dadurch zunächst nicht gelöst, sondern nur verlagert, denn man gibt dem Obst Sinn durch die Pflanze, die dadurch Nachkommen haben kann, oder durch das Tier, das Nahrung zu sich nehmen kann. Wenn nun beispielsweise der Sinn des Tieres gelöst wird, dann löst sich durch die Zweckbeziehung in gewisser Weise auch der Sinn des Obstes und der Pflanze.

Der Mensch ist durchaus imstande, Zweckbeziehungen oder Kausalitätsbeziehungen zu verstehen oder sich zumindest deren Verständnis anzunähern. Es gibt keine bekannten, beobachtbaren und reproduzierbaren Phänomene, von denen man glaubt oder weiß, dass sie außerhalb der Kausalität liegen; man neigt daher leicht dazu, das Konzept der Kausalität auf Alles zu verallgemeinern. Ein Anhänger dieser Glaubensrichtung wird starke Probleme haben, einen Sinn zu finden: Sicher, für alles wird man irgendwann einen Zweck im Kontext des Ökosystems „Universum“ finden, der Zweck des Universums als Ganzes bleibt aber unbeantwortbar, sofern man annimmt, dass Kausalketten nicht zyklisch sein können. Diese Annahme ist wohl gerechtfertigt, da Kausalität als ein auf Ursache und Wirkung basierendes Konzept angesehen wird, wobei die Wirkung zeitlich immer nach der Ursache eintritt, wodurch also keine Kausalzykeln entstehen können.

Um das durch den unbeantwortbaren Zweck des Ganzen entstehende Loch im Kausalitätsglauben zu füllen, wird man möglicherweise sagen, dass die Kausalität eigentlich nicht „normal“ ist und dass sie wahrscheinlich nur „innerhalb“ unseres Universums gilt. „Außerhalb“ gibt es keine Kausalität. Das „Außerhalb“ wird dann als „göttlich“, „unvorstellbar“, „größer als alles“ oder „nicht beschreibbar“ beschrieben. Solche Beschreibungen sind voll zutreffende Bilder für das, was wir uns darunter vorstellen – und genau deshalb unbefriedigend.

Da stellt sich nun die Frage, wie wir zu diesem Punkt gelangt sind, dass wir uns Begriffe definieren müssen, deren Bedeutung wir nicht definieren können, ja deren Bedeutung nicht stofflich definierbar ist. Experimentell haben wir festgestellt, dass Kausalität für alles Bekannte zu gelten scheint, und dann haben wir die Kausalität auf alles Unbekannte übertragen – diesen Schluss könnte man als „induktiv“ bezeichnen. Da vollständige Kausalität aber in sich widersprüchlich ist, mussten wir „Gott“ definieren als etwas außerhalb der Kausalität stehendes. Die Undefinierbarkeit entsteht also offenbar durch den Induktionsschluss, dessen Gültigkeit wir deshalb infrage stellen müssen.

Deduktive Sicht

Bei der deduktiven Methode versucht man, von allgemeingültigen Prinzipien auf die speziellen zu schließen. Wollen wir sie auf die Sinnfrage anwenden, müssen wir zunächst allgemeingültige Prinzipien finden. Dies dürfte sich als schwierig erweisen, da ein skeptischer Sucher alles hinterfragen und infrage stellen wird.

Möglich ist es beispielsweise, dass die gesamte Physik, die ja nur ein menschengemachtes Modell der Wirklichkeit ist, völlig ungültig ist. Möglicherweise sind alle bisher gemachten physikalischen Experimente aus irgendeinem Jux des Universums heraus -zufällig oder nicht- so ausgegangen, dass sie zu den Vorhersagen der heute gängigen Modelle gerade passen. Vielleicht ist die Physisk „normalerweise“ völlig anders als die, die wir zu erleben glauben.

Wenn man also nach allgemeingültigen Prinzipien sucht, bietet sich die Physik nicht gerade an, zumal die Physik außerdem ja auch auf dem Kausalitätsprinzip beruht. (Nimmt man die Kausalität als allgemeingültig an, so erhält man in ab dort deduktiver Weise die Schlussfolgerungen, die ich oben „induktiv“ genannt habe. Induktion ist in diesem Sinne ein Spezialfall von Deduktion.)

Wenn man nach einem allgemeingültigen Prinzip sucht, dann kann das nichts sein, das man sich vorstellen muss. Denn jede Vorstellung entsteht allem Anschein
nach im Gehirn und besteht aus komplexer Neuronenaktivität, ist damit also der Physik unterworfen, die wir ja bereits angezweifelt haben. Es kann also auch nichts sein, an das man sich erinnern muss, und es kann auch nichts sein, das wir wahrnehmen, denn alles könnte eine Täuschung sein. Möglicherweise könnte es eine Betrachtung mit Hilfe der Logik sein, aber leider können wir die Gültigkeit der Logik mit unseren physikalischen Gehirnen nicht überprüfen. Es muss also etwas überprüfbares sein.

Wenn ich ein allgemeingültiges Weltprinzip suche, dann muss ich mir einer Sache bewusst werden:
Ich bin dieses Prinzip.

Niemand, der ernstlich darüber nachgedacht hat, auch kein Skeptiker, wird seine eigene Existenz infrage stellen können. Sicher, ich kann die Form meiner Existenz infrage stellen -mit Haut und Kopf und alldem- aber die Existenz an sich, allein dass ich darüber nachzudenken glaube zeigt, dass ich existiere. Auch wenn die Welt anders ist als ich es mir vorstelle, unabhängig davon gilt: Ich existiere. Natürlich kann es sein, dass die Logik, die mich das glauben lässt, falsch ist, weil verschiedene Neuronen falsch gedrahtet sind. Natürlich kann es sein, dass die Semantik des Wortes „Existenz“ in der Welt eigentlich keine wirkliche Bedeutung hat. Trotzdem lässt mich die Mächtigkeit dieser Tautologie sagen: Ich weiß, dass ich existiere. Ich bin sogar noch etwas kühner und sage: Ich weiß, dass ich lebe. Leben heißt für mich wahrnehmen. Da es, obwohl das einfacher wäre, nicht nichts gibt, sondern da ‘ich’ sogar hier bin und ‘etwas’ wahrnehme, muss ‘ich’ auch existieren. Zwar ist von außen nicht festzustellen, ob jemand wahrnimmt. Ich aber weiß, dass ich wahrnehme. Ein Leben, das ist wie ein Auge des Universums, das sich selbst betrachtet. Eine Katze existiert womöglich auch, lebt und nimmt wahr, aber sie weiß das womöglich nicht. Für mich ist Bewusstsein, zu wissen, dass man lebt. Ich weiß, dass ich Bewusstsein habe.

Diskussion

Tatsächlich geraten wir bei der Aufstellung des allgemeingültigen Prinzips in ähnliche Probleme wie bei der Definition von Gott, weil wir letztlich nicht definieren können, was Begriffe wie „Existenz“ eigentlich bedeuten, denn solch eine Definition können wir nur innerhalb der Welt, deren Physik wir ja skeptisch gegenüberstehen, aufstellen. Der Unterschied ist, dass beim deduktiven Ansatz diese Probleme -logisch gesehen- am Anfang des Weltbildes stehen und nicht am Ende, wie beim induktiven Ansatz.

Ich persönlich finde die Annahme, dass ich existiere, sehr viel naheliegender und stichhaltiger, als die aus der Induktion folgendende langwierige Schlussfolgerung, dass es etwas göttliches geben muss, das ich aber weder näher kennen noch beschreiben kann.

Die Sinnfrage stellen wir wohl vor allem zu dem Zweck, eine Handlungsanweisung ableiten zu können. Wenn wir uns nun für die Vorstellung einer Welt mit Gott entschieden haben, dann erhalten wir keine direkte Handlungsanweisung, da die Kommunikation mit jenem schwierig scheint. Viele Menschen behaupten womöglich, Kontakt gehabt zu haben, deren Aussagen und Überlieferungen sind aber nicht eindeutig und vor allem weder überprüfbar noch reproduzierbar, wie es mit nicht-kausalen Phänomenen eben so ist. Folglich kann man sich über den Gotteswillen nie sicher sein.

Sollte man jedoch die Erkenntnis haben, dass man wie ein mit Bewusstsein erfülltes Auge des Universums ist, so kann man also von Anfang an auf dieser gesicherten Erkenntnis bauen und sich überlegen, was man tun sollte, sich überlegen, was der Antrieb sein könnte. Man kann man eine Ethik aufstellen, in der man sich selbst bewusst ist. Ganz ohne Induktionsargument kommt man aber nicht aus, denn man kann nur die eigene Existenz, das eigene Bewusstsein überprüfen. Man muss aber aus Vorsichtsgründen annehmen, dass andere, die so ähnlich scheinen wie man selbst, ebenfalls Bewusstsein haben, da man sonst von jenen womöglich ebenfalls das Bewusstsein abgesprochen bekommen würde (da sie sich ja für mich unüberprüfbar so verhalten, als hätten sie Bewusstsein). Nimmt man also an, dass andere ebenfalls Bewusstsein haben, so steht der Ethik der Weg offen, Handlungsanweisungen für den Umgang mit Anderen zu definieren.

Meine eigene Folgerung ist jedoch klar: Das Universum hat durch mich ein bewusstes Auge, das sich selbst anschaut. Ich will daran mitwirken, das Wissen zu generieren, das dem Universum hilft, sich selbst zu verstehen.

Die deduktive Weltsicht beantwortet Fragen nur relativ zu gewissen Annahmen, etwa dass mein Gehirn diesen logischen Schluss jetzt richtig gemacht hat. Es ist eine skeptische Weltsicht, die außer der Existenz keine absoluten Wahrheiten beinhalten kann, da nichts sonst eigentlich überprüfbar ist. Wohlgemerkt füllt also die deduktive Weltsicht nicht das Loch, das entsteht, wenn man Kausalität für allgemeingültig annimmt. Die Frage bleibt schlichtweg unbeantwortet, da zu wenige Daten vorhanden sind, um Theorien über ihre Antwort zu überprüfen. Diese Vorgehensweise aber erscheint mir vor allem ehrlicher.

Spekulationen. Der scharfe Skeptizismus, der selbst die physikalischen Vorgänge in unserem Gehirn anzweifelt, führt innerhalb der Welt nie zu etwas gesichertem, da man ja immer die Überprüfbarkeit der logischen Aussage anzweifeln kann, denn solch eine Überprüfung kann von uns nur innerhalb der Welt versucht werden. Trotzdem scheint es, dass meine Existenz eine Tautologie ist, die keiner Überprüfungen bedarf – oder deren Überprüfung automatisch gegeben ist. Vielleicht ist der Grund, dass ich so fühle, aber auch, dass meine Existenz ‘von außerhalb’ festgelegt ist, also dass ich außerhalb des Universums existiere und dies damit innerhalb des Universums auf irgendeine Weise als gegeben wissen kann.

Existenz im Tode. Wenn wir nun den scharfen Skeptizismus ein wenig verlassen, dann können wir nun eine dagegen gar kindlich wirkende Vorstellung der Existenz ‘nach’ dem Tode folgen lassen: Meine Existenz ist vermutlich keine Konstante, da ich irgendwann sterben werde. Und ich weiß nicht, ob ich dann immer noch wissen kann, dass ich existiere oder existiert habe. Dennoch ist meine Existenz, wenn man die zeitliche Dimension hinzunimmt, gesichert, denn ich werde immer existiert haben. Meine Existenz ist statisch, unabhängig von der Zeit, denn es gibt einen Weg in der Raumzeit, in dem ich existiere. Das Jetzt ist ein Punkt auf diesem Weg, der sich immer weiter dem Ende nähert.

Sonntag, 4. November 2007

Wir suchen keine neuen Welten, wir suchen Spiegel.

Gespeichert unter: Philosophisch — Schlagworte: , , , , — amelitmagelit @ 6:02

Ein Spiegel dient uns dazu, uns selbst zu erkennen. Ein gewöhnlicher Spiegel lässt uns nur unsere Körper sehen, neue Welten dagegen können uns neue Ideen geben. Neue Ideen wiederum können wir an uns selbst austesten, wir können sie nutzen, um unser Inneres schärfer zu sehen. Neue Ideen schärfen die Innensicht, weil sie bislang unbekannte Bereiche aufdecken und uns zeigen, was wir sind und wer wir sein können. So wie man zur vollen Ausleuchtung einer Skulptur Leuchten auf mehreren Seiten aufstellen muss, können uns auch Ideen innen von verschiedenen Perspektiven beleuchten. So wie man wichtige Feinheiten einer Skulptur ohne Beleuchtung vielleicht nicht oder nur schwach sehen konnte, können Ideen einem helfen, falsche oder unscharfe Innenbilder zu erkennen und sie zu korrigieren.

Neue Welten zwingen uns dazu, uns mit unseren schattigen Seiten auseinander zu setzen, sie zwingen uns dazu, diese bisher kaum ausgeleuchteten und unerforschten Bereiche zu betrachten. Die erforschten und unerforschten Bereiche sind alles was wir sind, waren oder jemals werden sein können. Wenn wir uns nun mit dem Erforschten zufrieden geben, dann leben wir in einer relativ engen Nische des Seins, die vielleicht sogar in sich abgeschlossen scheint oder uns in irgendeinem Sinne glücklich macht, und wir werden in ihr sterben. Wir werden zwar gelebt haben, verpassen aber all das, was außerhalb der Nische liegt.

Die bloße Existenz des Universums ist zwar schon verrückt, dass aber wir dort leben, offenbar bewusst und aktiv, das ist absolut unerklärlich, unerhört und nicht zuletzt unermesslich großzügig. Wäre das Universum ohne Leben, dann wäre da nichts, was zumindest Teile des Universums wahrnehmen könnte, denn nur das Leben hat Wahrnehmung. Gibt es vielleicht Leben vor allem deshalb im Universum, damit das Universum wahrgenommen wird? Wäre ein Universum ohne Leben nicht hinreichend sinnlos? Sind wir der Sinn des Universums?

Das Universum gibt uns zwar Leben, erfahrungsgemäß allerdings nur jeweils eins. Ich jedenfalls will diese einmalige Gelegenheit nutzen, um die Welt zu entdecken und um mir aus den dort auffindbaren Ideen immer bessere Spiegel zu basteln. Doch nur der beste Spiegel -das Universum selbst- zeigt je das perfekte Abbild.

Erkenntnis

Gespeichert unter: Gedichte — Schlagworte: , , — amelitmagelit @ 4:50

Stumm stehe ich staunend da
Sehe im Geiste meinen Körper lachend
In meinem wirklichen Körper stehen
Der wirkliche Körper steht nur starr

Gerade war nur starr
Im Geiste neu erweckt
Was früher vielleicht wirklich war

Das Lachen lacht hinaus in die Welt
Alte Ketten sprengend
Das Lachen ist ein Jubel
Im Geiste sind wir
An jedem Ort der Welt
Alles berührend
Nichts erfassend

Im Geiste erlaube ich das Lachen
Zwanglos kann ich sein
Kann erlauben was bereits ist

In Wirklichkeit stehe ich nur starr

Montag, 22. Oktober 2007

Aufenthalt

Gespeichert unter: Gedichte — Schlagworte: — amelitmagelit @ 22:06

Viele Jahre sind wir hier
Nur kurz bleiben wir
Sind jetzt hier und noch nicht dort
Nur ein Augenblick, dann sind wir fort
Sind halb Mensch, halb Tier
Uns ist klar, nichts wissen wir

Wissen kann ich nur: Ich bin
Denn wäre nichts, so wäre ich nicht

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