‘Liebe’ ist ein Wort. Diese Antwort ist so wahr wie unbefriedigend, denn die Frage war ja eigentlich so gemeint: „Was meinen wir mit dem Wort ‘Liebe’?“
„Gott, Jahwe, Allah, Nirvana, Liebe, das ist alles das Selbe.“
Tatsächlich habe ich einmal einen pensionierten Philosophen und Friedensaktivisten getroffen, der dies behauptet hat. Wenn diese Wörter also bedeutungsgleich sein sollen, warum braucht man dann überhaupt verschiedene Wörter dafür? Ist denn dann eigentlich Liebe genau wie Gott etwas Metaphysisches, das man nicht stofflich definieren kann und an das man glauben kann oder eben auch nicht? Aber Moment, so war das oben ja wieder nicht gemeint, man meinte ja eigentlich, dass Gott unermesslich viel liebt oder dass Liebe eine wichtige seiner Ausdrucksformen ist, dass Gott so wie die Liebe in jedem von uns steckt. Das mag ja durchaus sein, aber es erklärt nicht, was Liebe ist.
Nur Hormone?
Um solche Fragen zu beantworten haben wir ja zum Glück Naturwissenschaftler wie etwa Hirnforscher, die ein vernichtend unromantisches Bild der Liebe zeigen: Liebe, das ist wenn bestimmte Hormone im Körper eine gewisse Konzentration und ein bestimmtes Verhältnis zueinander aufweisen, und wenn die Neuronen im Gehirn in bestimmter Weise angeregt sind. Natürlich sind die ganzen biochemischen Zusammenhänge dabei bisher nur sehr grob bekannt, aber die Unromantik entsteht ja allein durch die Ansicht, Liebe sei ein biochemischer Zustand des Körpers. Auch wenn man schonmal sagt ‘Die Chemie stimmt zwischen uns’, dann fände es der Partner vielleicht abstoßend, wenn dieser Satz wirklich wörtlich gemeint wäre. Der Mensch wird als -sehr komplizierte- Maschine angesehen, die auf die richtigen -sehr wohl auch nichtsexuellen- Umwelteinflüsse mit dem Unterprogramm ‘Liebe’ reagiert. Die romantische Vorstellung, Liebe sei etwas überweltlich besonderes, wird dadurch zurückgedrängt.
Nur ein Gefühl?
Einig werden kann man sich bei der Begriffsdefinition doch hoffentlich darüber, dass sich Liebe als Gefühl sehr starker Zuneigung und Aufregung äußert. Dieses sehr intensive Gefühl ist zwar nicht immer da, schaut aber öfters mal vorbei und entfaltet dann die süße Vorstellung der Seelenverbundenheit. Abgesehen von den Gefühlen, auf die Liebe zumeist reduziert wird, ist Liebe für mich vor allem Hingabe und Aufnahme. Ich liebe dadurch, dass ich mich hingebe und das Hingeben des Partners aufnehme.
‘Ich liebe dich’ sollte weder mit ‘[Ich glaube,] Wir sind [gottgegeben] füreinander bestimmt’ noch mit ‘In mir läuft jetzt das Unterprogramm Liebe’ übersetzt werden. Natürlich kommt es vor, dass man keine Worte weiß, die für die Intensität der Zuneigung angebracht wären, und dann sagt man schonmal einen metaphysischen Satz. In gewisser Weise kann das Gefühl ja zeitweise so stark zu spüren sein, dass es in der Stärke über allen sonstigen Gefühlen steht, und in diesem Sinne ‘meta’ ist. Man sollte sich aber dessen bewusst sein, wie man diesen Satz eigentlich meint, und man sollte es vor allem dem Partner bewusst machen.
Vom pragmatischen Standpunkt aus gesehen und mangels einer genauen Begriffsdefinition, sollte man ‘Ich liebe dich’ mit ‘Ich will [dauerhaft] mit dir zusammen sein’ übersetzen. Um einen draufzusetzen erweitere ich es zu: ‘Du bist diejenige Person, mit der ich [dauerhaft] am liebsten zusammen sein will.’
Zunächst einmal vielen Dank für den Link zu meinem Gedicht. =)
Deinen Artikel über die Liebe finde ich sehr interessant. Auch für mich ist Liebe etwas unbeschreibliches. Klar, wir sagen „Ich liebe dich“, aber damit meinen wir so viel mehr. Selbst der Satz „Du bist diejenige Person, mit der ich [dauerhaft] am liebsten zusammen sein will.“ beschreibt es noch nicht komplett. Um genau zu sein, kann man Liebe garnicht mit einem Wort ausdrücken sondern nur mit dem Verhalten gegenüber der Person die man liebt. Trotzdem reicht es vollkommen aus, seinem Partner „Ich liebe dich“ ins Ohr zu hauchen, denn neben dem Satz den wir bewusst wahrnehmen, kommuniziert unser Körper auch noch auf der feinstofflichen Ebene. Das bekommen wir dann mit, wenn uns zum Beispiel ein wohliger Schauer den Rücken hinunterläuft und wir einfach ein Gefühl verspüren, als könnten wir Bäume ausreißen.
Das Wort Liebe ist somit nur der Katalysator, der uns immerwieder darauf hinweist, dass wir mit unserem Herzen horchen sollen.
Kommentar von Thorsten — Sonntag, 13. Juli 2008 @ 20:43