Unsere Gedanken sind Lichter, die wie Sterne im dunklen Meer des Raums aufblitzen. Das Meer strebt auf die graue Uniformität zu, bis der Strom der Energie sich verbraucht hat und erstarrt. Warum überhaupt der Aufwand, wenn es am Ende doch wieder ganz so ist, als wäre Nichts gewesen?
Gott langweilt sich im öden Nichts, deswegen baut es Universen, in denen es gleichzeitig und doch nacheinander alle Leben durchlebt. Das beschäftigt eine Weile, und doch nur einen Moment, ist ziemlich spannend, aber letztlich genauso öde wie das Nichts. Sind wir Gottes ständige Reality Soap? Sind wir eine leicht aufgemotzte Version von gzsz? Spielt das eine Rolle?
Das Leben ist ein Spiel:
- Man nimmt an dem Spiel teil.
- Spielregeln sind nicht bekannt.
- Ein Spielziel ist nicht bekannt.
Weil man ‘da’ ist und lebt, ist wenigstens sicher, dass es ein Spiel gibt und man an ihm teilnimmt. Die Vermutung wäre, dass die Spielregeln durch die wahren Gesetze der Physik gegeben sind. Da alle Modelle der wahren Physik aber falsch sein können, kann man sich nie wirklich über die Spielregeln sicher sein. Dass es überhaupt Spielregeln gibt, wird durch die Beobachtung nahegelegt, dass ich offenbar nicht allmächtig bin. Dass es ein Spielziel gibt, ist mir dagegen absolut unklar. Die Frage wäre ja auch, was man davon hat, wenn man das Spielziel erreicht.
Je ‘niederer’ ein Lebewesen, desto weniger muss und kann es sich über das Spiel und dessen Ziel Gedanken machen. Oh welch freudig-naives Leben man so doch führen könnte! Aber ist es denn ein ‘eigenes’ Leben, wenn doch der Verlauf des Lebens hauptsächlich von den Spielregeln bestimmt wird? Ist ein Mensch nicht viel unabhängiger von den Regeln, ja kann sie sogar nutzen, um mehr Freiheit zu erlangen? Entsteht die Freiheit nicht sogar dadurch, dass wir genügend viele und die richtigen Körperteile und das Wissen haben, um nicht so stark von den Spielregeln kontrolliert zu werden?
Wenn ich eine Biene bin, dann habe ich nicht die Freiheit, irgendetwas anderes zu tun, als das, was Bienen tun. Kein stark spezialisiertes Tier hat diese Freiheit (obwohl die Biene vielleicht durchaus etwas anderes tun möchte, das wäre dann eine traurige Biene). Ist der Mensch als Individuum das freiste Lebewesen, weil es die geringste Beeinträchtigung durch die Regeln erfährt? Oder sind Bakterien in der Masse die freisten Lebewesen, weil sie die geringste Spezialisierung aufweisen und sich über wenige Generationen schnell anpassen können?
Das Spielziel
Da das Ziel und damit der Sinn nicht bekannt sind, muss ich darauf verzichten. Denn anders als die Spielregeln kann ich Modelle des Spielziels nicht durch Experimente widerlegen oder untermauern. Niemand sagt mir, ob ich gerade am Ziel bin oder wie weit ich davon entfernt bin. Zeitlich ist das Ziel wohl der Tod, aber mit ‘Spielziel’ ist ja eher ein moralisches Ziel gemeint. So etwas kann ich aber nicht prüfen, schließlich könnte ja gerade das genaue Gegenteil des vermuteten Ziels das wahre Ziel sein. Also gilt für mich: Ich spiele ohne Ziel. Demnach kann ich innerhalb des Lebens so handeln, wie ich möchte, und mir meine eigenen Ziele setzen. Das bedarf Mut zur Willkür, da ich mir des Fehlens einer äußeren Sinngebung bewusst bin.